14. Oktober 2014

Ob Gas, Fernwärme oder Öl – das Heizen wird billiger

Milder Winter entlastet Verbraucher in diesem Jahr deutlich / Anteil der Energiekosten seit 2006 kaum gestiegen

Von Eckart Gienke

Berlin/Hannover. Die privaten Haushalte sind in den vergangenen Jahren von den Heizkosten schwer gebeutelt worden. Doch der Trend ist gebrochen. Wegen des milden Winters und der sinkenden Energiepreise wird Heizen in diesem Jahr billiger. Das gelte für fast alle privaten Haushalte, egal, ob sie mit Gas, Fernwärme oder Öl heizten, teilte der Deutsche Mieterbund (DMB) am Montag in Berlin mit. Das habe der aktuelle Heizspiegel der gemeinnützigen Gesellschaft Co2online ergeben, die vom Mieterbund unterstützt wird.

 

Von Januar bis Juli seien die Preise für Heizöl um 5,4 Prozent gesunken, die Fernwärme sei um ein Prozent preisgünstiger geworden, und der Gaspreis liege stabil auf Vorjahresniveau. Nach einem kräftigen Preisrutsch in der vergangenen Woche sind 100 Liter Heizöl hier und dort schon für weniger als 75 Euro (bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer) zu haben. Das hat es zuletzt im Januar 2011 gegeben. Vor einem Jahr stand der Preis noch bei 85 Euro, vor zwei Jahren waren es 95 Euro. Und es könnte noch billiger werden. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent ist inzwischen unter 90 Dollar gefallen, nachdem er zuvor jahrelang wie festgenagelt zwischen 100 und 110 Dollar lag. Der Ölmarkt sei weltweit überversorgt, und wegen der vielen Krisen in der Welt trübte sich die Konjunktur ein, lautet die gängige Diagnose.

 

„Rohstoffpreise reagieren auf Rezessionsängste mit Abschlägen“, sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID. Die Gaspreise folgen nach wie vor tendenziell den Ölpreisen, aber die Bindung ist lockerer geworden. Das liegt vor allem daran, dass der Markt für Erdgas in Bewegung gekommen ist und nicht mehr allein von langfristigen Lieferverträgen bestimmt wird. Die Krise um die Ukraine zeigt bislang keine nennenswerten Auswirkungen auf den Gaspreis. Die europäischen Gasspeicher sind gut gefüllt. Selbst bei einer Lieferkrise könnte Europa wohl weitgehend Industrie und Haushalte über den Winter versorgen. Die Preise bewegen sich nur wenig.

 

„Der Anteil der Energiekosten an den Konsumausgaben der privaten Haushalte blieb in den letzten Jahren nahezu konstant“, sagt der Analyst Martin Müller von der KfW in Frankfurt. „Im Jahr 2006 lag er bei 6,5 Prozent, 2011 bei 6,6 Prozent.“ Dazu beigetragen hätten Einsparungen durch energieeffizientes Bauen und energetische Sanierung ebenso wie der Rückgang des Anteils der Ölheizungen und ein vermehrter Einsatz von erneuerbaren Energien aus Biomasse für die Raumheizung.

 

Der gesamte Energieverbrauch der privaten Haushalte sei seit dem Jahr 2000 um rund ein Viertel zurückgegangen. „Der klimabereinigte Energieverbrauch von Wohngebäuden geht zwar seit Jahren leicht zurück“, sagt Co2online-Geschäftsführerin Tanja Loitz, die sich für die Senkung der CO2-Emissionen einsetzt. Es könnte aber noch viel mehr Energie gespart werden, wenn Gebäude noch besser gedämmt und alte Heizungen ausgetauscht würden.

 

Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 14. Oktober 2014

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