14. Dezember 2012

Kaiserlicher Wohnsitz für Senioren

Kreiswohnbau kauft Kaiserhof in Bad Salzdetfurth / Wohnprojekt mit Tagespflege geplant

Bad Salzdetfurth (uli). Einst hat der Bürgermeister dort den Ministerpräsidenten empfangen, der Stadtrat regelmäßig hinter den rund 100 Jahre alten Mauern getagt und haben etliche Familien Hochzeiten und Geburtstage gefeiert. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Seit etwa drei Jahren steht der Kaiserhof leer.

 

Seit drei Jahren steht der Kaiserhof in Bad Salzdetfurth leer. Jetzt hat die Kreiswohnbau den Gebäudekomplex gekauft. Wo einst regelmäßig der Stadtrat tagte und der Bürgermeister hochrangige Gäste empfing, werden 16 altengerechte Wohnungen entstehen. Foto: Kohrs

Jetzt ist der Gebäudekomplex verkauft. Die Kreiswohnbau hat Grundstück und Gebäude aus der Insolvenzmasse gekauft und Pläne für die Zukunft des ehemaligen Gaststätten- und Hotelbetriebes geschmiedet: Sie wird dort 16 altengerechte Wohnungen bauen, ein Domizil für eine angegliederte Tagespflege schaffen.

 

„Seit anderthalb Jahren arbeiten wir an der Idee“, erzählt Matthias Kaufmann, Geschäftsführer der Kreiswohnbau. Beim Mountainbike-Rennen 2011 habe er mit Bürgermeister Erich Schaper und Stadtrat Thomas Kasten vor dem Kaiserhof gestanden und bedauert, dass das große Haus so ungenutzt war. „Schaper hat gesagt, lass dir was einfallen“, so Kaufmann. Und genau das hat die Kreiswohnbau getan.

 

In der ehemaligen Gaststätte soll eine Tagespflege einziehen. „Wir sind bereits mit mehreren interessierten Wohlfahrtsverbänden im Gespräch“, sagt Kaufmann. Der kleine Anbau an die Gaststätte und der dahinterliegende große Saal werden abgerissen. „Bis auf die Fassade zum Rathaus-Parkplatz hin. Die steht unter Denkmalschutz und bleibt erhalten“, schildert der KWG-Boss die Pläne.

 

Wo bisher noch der Saal steht, wird eine Tiefgarage ins Erdreich gebaut und obenauf ein Gebäude mit drei Etagen gesetzt. 16 Wohnungen mit jeweils 60 bis 80 Quadratmetern werden dort entstehen. Alle mit Terrasse oder Balkon und Einstellplatz in der Garage. Die wird künftig von der Oberstraße aus erschlossen. Der Haupteingang ins Wohngebäude wird dort sein, wo bisher der Seiteneingang in die ehemalige Küche ist. Zwischen dem neuen Gebäude und der roten Backsteinfassade will die Kreiswohnbau einen Laubengang schaffen. „Dafür werden die bisher zugemauerten Fenster in der Fassade wieder geöffnet“, erzählt Kaufmann.

 

Auf den oberen Etagen werden die einzelnen Wohnungen über einen breiten Balkon verbunden sein, auf dem die Senioren im Sommer einen zusätzlichen Schattenplatz finden werden. Die künftigen Mieter der barrierefreien Wohnungen können auf Wunsch bei der Tagespflege das Rundum-Sorglos-Paket buchen. „Vom Hausnotruf über den Einkaufsservice bis zu Pflegestufe II ist alles möglich“, so Kaufmann.

 

Zum Objekt gehört auch das ehemalige Gästehaus des Kaiserhofes, das nun ebenfalls im Besitz der Kreiswohnbau ist. Für das Haus gibt es bereits einen Mieter. „Die Job-Agentur, die bislang in Bad Salzdetfurth zu kleine Büroräume hat, wird zwei Etagen des Gebäudes beziehen“, erklärt Kaufmann. In der Dachgeschosswohnung wird voraussichtlich das Büro der Tagespflege untergebracht.

 

Im Gästehaus werden nun auch als erstes die Handwerker beginnen. Die Job-Agentur möchte Ende kommenden Jahres einziehen, den Zeitplan will Kaufmann einhalten. Im Sommer 2013 sollen außerdem die Arbeiten am eigentlichen Kaiserhof beginnen. Die ersten Mieter sollen etwa zwölf Monate später, also Mitte 2014, einziehen können. Kaufmann geht fest davon aus, dass sich jetzt nach Bekanntwerden der Pläne ganz schnell interessierte Mieter melden werden. „Das war in Sarstedt auch so“, so Kaufmann. Dort entsteht gerade das erste KWG-Senioren-Wohnprojekt dieser Art. Schon kurz nach dem ersten Spatenstich seien alle Wohnungen vergeben gewesen.

 

Mit dem Senioren-Wohnprojekt hat die KWG sich ein neues Standbein geschaffen. „Unsere Gesellschaft verändert sich“, erklärt Kaufmann und erinnert an den demografischen Wandel. Dem will die KWG begegnen und innerstädtische Wohnanlagen für Senioren schaffen, wie bereits in Sarstedt und in Kürze in Bad Salzdetfurth. Doch geeignete Grundstücke seien rar. Der Kaiserhof in der Kurstadt sei deshalb für sie ein echter Glücksfall.

 

Vom historischen Gebäude soll künftig aber nicht nur der ehemalige Gaststättenteil bestehen bleiben. Auch der Name bleibt erhalten. Wie in Sarstedt wird die Wohnanlage den Namen Argentum (kommt aus dem Lateinischen und heißt Silber, eine Anspielung auf die Generation mit silbergrauem Haar) tragen, „vermutlich mit dem Zusatz am Kaiserhof“, so Kaufmann.

 

Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 13. Dezember 2012

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