Der Kooperationsvertrag wird unterschrieben, von links: Thorsten Renken und Gerald Donath (Johanniter), Matthias Kaufmann und Ralf Oelkers (Kreiswohnbau), auf dem Tisch ein Modell des Hauses. Foto: P. Hartmann
03. April 2013

Europa-Geld für Sarstedts Argentum

Kreiswohnbau und Johanniter vereinbaren Zusammenarbeit / Wohnhaus an der Hildesheimer Straße schon ausgebucht

Sarstedt (ph). Intelligentes Wohnen für Senioren soll die Anlage „Argentum“ der Kreiswohnbau in der Hildesheimer Straße bieten. Das Pilotprojekt dazu, von der Baugesellschaft und den Johannitern erarbeitet, ist der Europäischen Union einen Zuschuss von 150 000 Euro wert. Die beiden Partner haben den Vertrag dafür jetzt unterschrieben.

 

Der Rohbau der Argentum-Wohnanlage steht. Im September soll die Einrichtung der Kreiswohnbau eröffnet werden. Foto: Knoppik

Wer sich auf Fachkongressen über seniorengerechtes Wohnen informiert, kommt manchmal aus dem Staunen nicht heraus. Da gibt es zum Beispiel Teppichboden, der auf einen heftigen Aufprall, etwa eines zu Fall gekommenen Menschen, reagiert und den Notarztwagen ruft. Oder man hört, wie jetzt bei der Fachtagung „Vernetztes Wohnen“ in Oldenburg, einen Vortrag des Kreiswohnbau-Geschäftsführers Matthias Kaufmann aus Hildesheim über sein Wohnprojekt Argentum in Sarstedt. „Man schaut auf uns“, stellte Kaufmann dort fest. Und zwar, weil Argentum sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt hat: Was technisch möglich ist, soll eingesetzt werden, übertreiben aber will man das Ganze auch nicht. Kaufmann: „Wir wollen, dass Menschen in unseren Wohnungen so lange wie möglich und so selbstbestimmt wie möglich leben können.“

 

Dazu hat sich die Kreiswohnbau mit den Johannitern zusammengetan, die auf Bundesebene schon einige Erfahrungen mit ähnlichen Projekten gesammelt haben. Mit der Telekom zusammen haben die Johanniter ein Konzept entwickelt, das sich auf Forschungsergebnisse der AAL-Technik stützt. Das bedeutet „Ambient Assisted Living“ (selbstbestimmtes unterstütztes Leben) und ist eine Kombination aus einem persönlichen Betreuungs- und Hilfsangebot mit einer modernen Kommunikations- und Dienstleistungsplattform.

 

Im Mittelpunkt steht die Tatsache, dass jede der Wohnungen mit einem leicht zu bedienenden Tablet ausgerüstet ist. Das können die Besucher erstens zur Kommunikation nutzen (indem etwa Opa den Enkel via Skype anruft, oder indem er so Kontakt zu anderen Hausbewohnern aufnimmt), zweitens zur Haussteuerung, etwa der Jalousien, und drittens für persönliche Zwecke. Das reicht vom Wecken am Morgen bis zur Erinnerung, dass die Tabletten jetzt einzunehmen sind. Die künftigen Bewohner können Dienstleistungen bestellen und entscheiden selbst, in welchem Ausmaß sie das technische Angebot nutzen.

 

Alle Wohnungen sind mit dem Johanniter-Hausnotruf ausgerüstet, zusätzlich werden sie automatische Feuermelder enthalten, die auch bei Abwesenheit des Mieters funktionieren, sowie Bewegungsmelder, die möglichen Einbrechern die „Arbeit“ unmöglich machen. Das Angebot der Kreiswohnbau zielt auf die Menschen im Alter 60 plus, die barrierefrei und sicher leben möchten, mit elektronischen Geräten umgehen können und finanziell gut dastehen. Die Bedürfnisse des Marktes hat man offenbar ganz exakt getroffen, denn vom ersten Tag an konnte sich die Gesellschaft vor Bewerbern kaum retten. Inzwischen gibt es eine Warteliste potenzieller Mieter.

 

Etwas mehr als die Hälfte der künftigen Mieter, berichtet der Planer und örtliche Kundencenter-Chef Ralf Oelkers, kommt aus Sarstedt, zieht also innerhalb der Stadt um. Die meisten dieser künftigen Mieter sind bisherige Haus- oder Wohnungseigentümer, die Barrierefreiheit, Überschaubarkeit und technischen Komfort nutzen wollen – und die Vorteile eines Zusammenlebens im Haus. Der Neubau wird eine Gemeinschaftseinrichtung enthalten, die allen Mietern zur Verfügung steht und die als Treffpunkt dienen kann.

 

Solche Mietertreffpunkte haben sich nach Ansicht Kaufmanns bewährt: In Hildesheim hat die Kreiswohnbau bei der Sanierung eines Hochhauses den Mietern ein Essen auf Rädern angeboten. Da dies gleichzeitig geliefert wurde, bot sich an, dass einzelne Mieter gemeinsam essen. Kaufmann: „Das tun die teilweise bis heute.“

 

Nadine Abmeier von den Johannitern wird die künftigen Mieter des Argentum betreuen, lange vor der Fertigstellung im September.

In Sarstedt wird sich Nadine Abmeier um die künftigen Mieter kümmern. Vom April an steht sie diesen als Beraterin zur Verfügung, um sie bei der Planung ihrer künftigen Umgebung und der Einrichtung zu unterstützen.

 

Dass Projekte wie Argentum ihre Zeit zur Entwicklung brauchen, kann der Kreiswohnbau-Geschäftsführer Matthias Kaufmann aus eigener Erfahrung bestätigen. Der Kauf des Geländes an der Hildesheimer Straße gehört zu seinen ersten Amtshandlungen – und das war 2006. Das nächste Projekt dieser Art ist in Bad Salzdetfurth vorgesehen.

 

Quelle: Sarstedter Anzeiger der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, 03. April 2013

Veröffentlicht unter 2013