01. April 2011

Alternative Heizenergie

Dass regenerative Energien ökologische Vorteile haben, ist unstrittig und allgemein bekannt. Leider bedingt der Einsatz solcher regenerativer Energien oftmals finanzielle Mehrkosten für die Endnutzer. Der Kreiswohnbau Hildesheim ist es bei zwei Vorhaben gelungen, neben dem Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen in Form von Holzpellets aus heimischer Produktion auch einen finanziellen Nutzen für die Bewohner von zwei Quartieren in der Stadt Sarstedt vor den Toren Hannovers zu schaffen.

 

Heizenergie

Foto: Kreiswohnbau Hildesheim

Verleihung des Förderpreises

V.l.n.r.: Kreiswohnbau-Geschäftsführer Matthias Kaufmann, Journalisten Dr. Franz Alt sowie Vorstand der Volksbank Hildesheimer Börde, Gerd Streuber bei der Verleihung des Förderpreises Foto: Volker Hanuschke

Das Kommunale Wohnungsunternehmen errichtete innerhalb von drei Jahren zwei Biomasse- Heizkraftwerke, die rund 10 % der Sarstedter Haushalte mit sauberer Wärme durch Holzpellets versorgen und zusammen rund 1 000 t CO2-Ausstoss einsparen. Hiermit wurde eine wirtschaftliche, ökologisch nachhaltige und zukunftsorientierte Lösung für die Heiz – wärmeversorgung der Liegenschaften vor dem Hintergrund der unsteten Entwicklung auf dem fossilen Energiemarkt gefunden. Bestätigt wurde das Konzept durch die steigende Zufriedenheit der Mieter so wie den 1. Preis des Förderpreises der Volksbank Hildesheimer Börde Energie-Bank, die in der Region für innovative Energie-Projekte eintritt.

 

Zur Vorgeschichte
Seit 1965 versorgt die Kreiswohnbau das Baugebiet „Hoher Kamp“ in Sarstedt mit Wärme. Zunächst mit Schweröl, später mit Erdgas. Im Jahr 2000 stand das Rohrleitungsnetz zur Sanierung an. Damals fiel die Entscheidung für die Fernwärme und damit die Erneuerung des Netzes, wobei die Zeit für nachwachsende Rohstoffe noch nicht reif war. Die Entscheidung für den eigenen Weiterbetrieb fiel vor dem Hintergrund, dass die Kreiswohnbau bei den Heizkosten Herr im Hause bleiben wollte, da Heizkosten ja ein wesentlicher Mietbestandteil sind. In verdichteten Baugebieten bietet die Fernwärme die Möglichkeit, Wohnungsbestände wirtschaftlich mit nachwachsenden Rohstoffen zu beheizen.

 

Der große Holzofen kommt nach Sarstedt
Ende 2007 war es dann soweit, der 4,50 m hohe Holzpelletkessel für das Heizwerk Hoher Kamp wurde von der Fa. Nolting in Detmold versandfertig gemacht und geliefert. Nach wochenlanger Vorbereitung ging es für den Schwerlasttransport in zwei Teilen auf die Reise, alles andere wäre auf Grund der imposanten Größe zum Scheitern verurteilt gewesen. Weihnachten 2007, nachdem die An schlüsse und das Gebäude nach den um fangreichen Bauarbeiten wieder hergestellt waren und die Technik eingerichtet war, übernahm der neue Kessel die Hauptlast bei der Beheizung des Baugebietes „Hoher Kamp“. Die Prognosen von Carsten Binnewies vom planenden Ingenieurbüro BPH aus Hildesheim, dass der Energiemix aus Holz und Erdgas, mit dem das Baugebiet Hoher Kamp nun 267 Wohnungen, 112 Einfamilienhäuser und 1 Altenheim mit 89 Plätzen beheizt, spürbar die Energieerzeugungskosten verändern werde, haben sich vollends bestätigt.

 

Bis zu 2/3 der gesamten Heizenergie von etwa 6 200 000 kWh werden über Holzpellets er zeugt. Der Rest wird wie vor der Umrüstung über Erdgas erzeugt. Eine komplette Beheizung über Holzpellets wäre aufgrund der dann nötigen Anlagengröße unwirtschaftlich gewesen. Der Gaskessel ist aber so ausgelegt, dass er bei Wartungsarbeiten, aber auch im Falle eines wirtschaftlichen oder technischen Ausfalls des Pelletkessels die gesamte Beheizung übernehmen kann. Ursprünglich ging man davon aus, dass sich die Mehrkosten von 250 000 € bei der Anlagentechnik nach etwa sechs Jahren amortisieren würden. Aufgrund der damaligen Entwicklungen am Energiemarkt haben sich die Mehrkosten bereits jetzt bezahlt gemacht.

 

Doch nicht nur die Kostenseite sprachen für die Holzpellets, ein Abfallprodukt aus der Holzindustrie. Beim Holz handelt es sich um einen nachwachsenden Rohstoff aus heimischer Produktion. Die Erzeugung ist also weitgehend unabhängig von den Entwicklungen in der internationalen Politik und auf den Rohstoffmärkten.

 

>>> Den vollständigen Text können Sie sich hier als PDF herunterladen.

 

 

Quelle: BundesBauBlatt Nr.4, April 2011

 

Veröffentlicht unter 2011